Veränderungen auf einen Blick

Der Einfluss des Menschen auf den Wald

Die Wälder der Böhmischen und Sächsischen Schweiz, die wir heute sehen, sind keine unberührte Wildnis. Sie sind das Ergebnis von Jahrtausenden der Wechselwirkung zwischen Mensch und Natur in dieser bemerkenswerten Sandsteinlandschaft. Ursprünglich war die Region in den kühlen Schluchten von der Fichte als natürlichem Relikt geprägt, während säureliebende Buchen- und Tannenwälder die dominierenden Waldgesellschaften bildeten. In der Sächsischen Schweiz bedeckten diese Buchenwälder etwa 80 % der Fläche, darunter submontane Buchen-Tannen-Wälder und Eichen-Buchen-Wälder. Die Weißtanne war damals eine Schlüsselbaumart der gesamten Region, besonders in den Sandsteinschluchten, wo sie unter optimalen Bedingungen 12–17 % des Waldbestands ausmachte. Auf trockenen, felsigen Graten waren Kiefernwälder als Reliktvegetation natürlich verbreitet, geprägt durch das besondere Klima und die Böden des Sandsteins.

Einen entscheidenden Wendepunkt brachte das Hochmittelalter (12.–14. Jahrhundert), als Menschen begannen, die Wälder intensiver zu roden. In Sachsen wurden große Flächen für Höfe, Weiden und Dörfer gerodet, wodurch die Waldfläche deutlich zurückging. In der Böhmischen Schweiz begann man, hochwertige Baumarten wie Eiche, Tanne und Kiefer gezielt für wirtschaftliche Zwecke zu nutzen. Dieser selektive Nutzungsdruck auf beiden Seiten der Grenze veränderte die Artenzusammensetzung grundlegend. Der Rückgang der bevorzugten Eichen und Tannen begünstigte die Buche, die damals weniger intensiv genutzt wurde.

Ab dem 16. Jahrhundert intensivierte sich die Waldnutzung weiter. Aktivitäten wie Holzkohleproduktion, Streunutzung, Waldweide und Teergewinnung setzten das Ökosystem stark unter Druck. Im 18. und 19. Jahrhundert, während der Industrialisierung, wurden Wälder weiterhin vor allem zur Holzproduktion bewirtschaftet. Dies führte zu degradierten Beständen und zur Entstehung offener Heidelandschaften. Damit ging die natürliche Vielfalt der Region endgültig verloren. Kiefer und Fichte wurden großflächig gepflanzt, weil sie schnell wuchsen – selbst an Standorten, für die sie eigentlich ungeeignet waren. So wurde beispielsweise Fichte auch auf trockenen und felsigen Standorten angepflanzt. Dadurch ersetzten dichte, gleichaltrige Nadelholzbestände die älteren, vielfältigeren Wälder, die zuvor über Jahrhunderte existiert hatten.

Im 20. Jahrhundert setzte sich diese Entwicklung in beiden Parks fort. Große Insektenkalamitäten, wie die sogenannte Nonnenraupen-Kalamität in den 1920er-Jahren, verursachten erhebliche Schäden und führten zu großflächigen Wiederaufforstungen mit Nadelbäumen. So entstanden weitläufige, gleichaltrige Fichtenmonokulturen. Bereits in den 1920er-Jahren machten Laubbäume nur noch einen sehr kleinen Teil der Wälder aus, während Nadelbäume dominierten. 1924 bedeckten Laubbäume in der Sächsischen Schweiz nur noch 1–2 % der Fläche, während Nadelbäume etwa 86 % einnahmen. In der Tschechischen Republik um 1995 dominierte die Fichte mit über 60 %, die Kiefer machte etwa 25 % aus und Laubbäume weniger als 5 %. Ein besonderer Faktor in der Böhmischen Schweiz war die Nachkriegsentwicklung nach der Vertreibung der ursprünglichen Bevölkerung und dem Verlassen vieler Siedlungen. Dadurch kam es zu einer sekundären Wiederbewaldung, und der Waldanteil stieg bis 2005 auf 59 %. Auf beiden Seiten der Grenze führte die Wiederaufforstung zu großen Flächen gleichaltriger Wälder mit einfacher Struktur, die anfälliger für Dürre, Schädlinge und Feuer sind.

Ein Wendepunkt: Die Ausweisung der Nationalparks

Die Gründung des Nationalparks Sächsische Schweiz im Jahr 1990 und des Nationalparks Böhmische Schweiz im Jahr 2000 markierte einen grundlegenden Wandel hin zum Schutz natürlicher Prozesse: Wälder wurden nicht länger vor allem als wirtschaftliche Ressource betrachtet, sondern als lebendige Ökosysteme, die geschützt werden müssen. Beide Parks erbten jedoch Wälder, die weit von einem natürlichen Zustand entfernt waren. In der Böhmischen Schweiz bestanden 60 % der Wälder aus künstlich angelegten Monokulturen, und nur 2 % waren wirklich ungleichaltrige Bestände. In Sachsen dominierte die Fichte 1998 noch mit 46 %, gefolgt von Kiefer (15 %), Birke (13 %) und Buche (12 %).

Ein Problem auf beiden Seiten der Grenze war die Gleichaltrigkeit vieler Bestände. Viele Wälder stammten aus großflächigen Wiederaufforstungen nach der Nonnenraupen-Kalamität in den 1920er-Jahren. In den 2000er-Jahren waren mehr als die Hälfte der Bäume in beiden Parks älter als 75 Jahre, während junge Bestände weniger als 10 % ausmachten. Der Wald wurde damit zu einer „tickenden Zeitbombe“ mit demselben Geburts- und potenziellen Sterbedatum. Sobald einzelne Bäume ausfielen, konnten große Flächen gleichzeitig zusammenbrechen.

Die ersten Managementpläne waren vorsichtig. In der Böhmischen Schweiz war eine über ein Jahrhundert angelegte Umwandlung geplant: instabile Bestände sollten möglichst lange stehen bleiben, während darunter ein neuer, natürlich vielfältiger Wald heranwächst. In Sachsen lag der Fokus darauf, reine Nadelholzbestände schrittweise in stabilere Mischwälder umzuwandeln. Doch die Natur hielt sich nicht an diesen Zeitplan. Eine Reihe extrem trockener Jahre nach 2015 machte die Schwächen der gleichaltrigen Wälder deutlich und führte in beiden Parks zu großflächigem Absterben.

Heute hat sich die Situation deutlich verbessert. In der Böhmischen Schweiz erholen sich die Wälder, und etwa 60 % der Fläche befinden sich in frühen Stadien der natürlichen Entwicklung. Statt kompakter, dunkler Fichtenbestände entsteht ein junger, räumlich offener Wald. In Sachsen hat sich seit 1924 auf fast der Hälfte der Waldfläche die dominierende Baumart verändert, und der Anteil der Laubbäume ist auf 16 % gestiegen.

Seit der Gründung der Nationalparks kehren die Wälder auf beiden Seiten der Grenze allmählich in einen naturnäheren Zustand zurück – mit größerer struktureller Vielfalt, mehr Laubbäumen und einer stärkeren Rolle natürlicher Verjüngungsprozesse. Früher gleichförmige „Fabrik-Wälder“ aus gleichaltrigen Nadelholzplantagen verwandeln sich zunehmend in Mosaike aus verschiedenen Altersstufen und Baumarten – Landschaften, die den dynamischen, sich ständig verändernden Wäldern ähneln, die lange vor dem Eingreifen des Menschen existierten.

Der Wald als lebendiges System natürlicher Prozesse

Die aktuelle Waldentwicklung in beiden Nationalparks bedeutet eine Rückkehr zu den Dynamiken, die hier seit Jahrtausenden wirken: Dürre, Borkenkäfer, Feuer, Wasser und Wind.

Dürre und Borkenkäfer

Der Europäische Buchdrucker ist ein natürlicher und dauerhafter Bewohner der Wälder in der Sächsischen und Böhmischen Schweiz. Normalerweise befällt er nur geschwächte Bäume, doch in großen, gleichaltrigen Fichtenplantagen auf ungeeigneten Standorten kann er zu einem zerstörerischen Faktor werden. Längere Trockenperioden in Mitteleuropa setzen Bäume zusätzlich unter Stress und machen sie anfälliger – besonders in fichtenreichen Wäldern.

Zwischen 2018 und 2022 traf extreme Dürre die gesamte Region, insbesondere die Sandsteingebiete. Darauf folgte ein massiver Borkenkäferbefall, der große Fichtenflächen zerstörte und sowohl stehendes als auch liegendes Totholz hinterließ. Auf der böhmischen Seite war fast die Hälfte der Fichtenwälder betroffen; Satellitendaten zeigen den stärksten Kronenverlust zwischen 2019 und 2021.

Auch wenn abgestorbene Bäume beunruhigend wirken, sind sie für das Ökosystem wertvoll. Sie bieten Lebensraum für Insekten und Vögel und erhöhen die strukturelle Vielfalt des Waldes. Große Mengen Totholz erhöhen jedoch auch das Risiko von Bränden und Sturmschäden. Untersuchungen zum Brand von 2022 zeigen, dass von Borkenkäfern betroffene Gebiete intensiver brannten als ungeschädigte Wälder, weil trockenes Material und abgestorbene Äste zusätzlichen Brennstoff liefern.

Feuer

Feuer ist seit etwa 11.500 Jahren ein natürlicher Bestandteil der Landschaftsdynamik. Paläoökologische Untersuchungen zeigen, dass es immer wieder Brände gab, die mit Klima- und Vegetationsmustern wechselwirkten. In bestimmten Phasen trugen Brände dazu bei, offenere Waldtypen zu erhalten, etwa kieferndominierte Bestände, und beeinflussten die Verbreitung und Verjüngung von Laubbäumen.

Ein historischer Meilenstein war der Brand im Sommer 1842. Er ereignete sich nahezu an denselben Orten und unter sehr ähnlichen extremen Trockenbedingungen wie der Brand von 2022. Das Feuer brannte 17 Tage lang und betraf insgesamt 185 Hektar (89,9 ha auf tschechischer und 95,2 ha auf sächsischer Seite) – damals der größte bekannte Brand der Region.

Eine weitere einzigartige Gelegenheit zur Beobachtung natürlicher Regeneration bot der Brand am Havraní-Felsen bei Jetřichovice im Jahr 2006. Er betraf 17,92 Hektar und wurde als „natürliches Labor“ wissenschaftlich untersucht. Die Fläche blieb ohne menschliche Eingriffe, um die natürliche Rückkehr von Pflanzen, Tieren und Pilzen zu beobachten. Bereits drei Wochen nach dem Brand erschienen seltene Pilze wie der Prachtbecherling, und auch die Tierwelt veränderte sich: Arten typischer Nadelwälder wurden zunehmend durch Tiere ersetzt, die offene Lebensräume mit dichter Vegetation bevorzugen, etwa das Blaukehlchen und die Waldspitzmaus.

Der Großbrand im Sommer 2022 erfasste über 1.000 Hektar des tschechischen Nationalparks und etwa 113 Hektar auf sächsischer Seite. Seine Intensität wurde durch große Mengen abgestorbener Fichten, extreme Trockenheit, steile Hänge und komplexes Gelände verstärkt. Der Wind trug Funken über weite Entfernungen, und besonders stark brannten Bereiche mit angesammelten, vom Borkenkäfer geschädigten Fichten. In engen Sandsteinschluchten verstärkte zudem ein „Kamineffekt“ die Ausbreitung. Die Hitze war so extrem, dass sie die Oberfläche des Sandsteins beschädigte und Böden teilweise tiefgreifend degradierte. Gleichzeitig entfernte das Feuer saure Humusschichten, setzte Nährstoffe frei und ermöglichte die Verjüngung von Birke und Kiefer. Trotz der hohen Temperaturen überlebten viele im Boden gespeicherte Samen, sodass sich beide Parks rasch mit vielfältiger Vegetation regenerieren konnten.

Langzeitbeobachtungen am Havraní-Felsen zeigen, dass nach einer ersten Phase mit Pappel- und Weidenarten schließlich die Sandbirke zur dominierenden Baumart wurde. Heute macht sie etwa 80 % aller Bäume über 1,3 Meter Höhe aus, während die Rückkehr von Buche und Tanne durch starken Wildverbiss deutlich gebremst wird.

Wasser

Wasserverfügbarkeit und Wasserbewegung prägen die Vegetationsmuster der Elbsandsteinlandschaft entscheidend. Der stark durchlässige Sandstein lässt Regenwasser schnell versickern, wodurch Hochflächen und Grate meist trocken sind. Tiefe Schluchten und Talsohlen hingegen bewahren kühlere und feuchtere Mikroklimate, die Reliktarten wie Fichte und Weißtanne begünstigen. Bachauen mit zeitweiligem oder dauerhaftem Wasser beherbergen spezialisierte Pflanzengesellschaften, darunter Erlen- und Eschenbestände.

Der Klimawandel verändert dieses empfindliche Gleichgewicht. Höhere Temperaturen und längere Trockenperioden verringern die Bodenfeuchte und erhöhen den Wasserstress für Bäume. Veränderungen im Niederschlagsmuster und stärkere Verdunstung führen dazu, dass während der Vegetationsperiode weniger Wasser zur Verfügung steht – besonders auf den wasserarmen Sandsteinböden. Das beeinflusst die Gesundheit der Wälder, das Baumwachstum und die Artenzusammensetzung, da Wasser entscheidend dafür ist, wie gut sich junge Bäume etablieren und wie widerstandsfähig Wälder gegenüber Stress sind.

Historische Aufzeichnungen aus dem tschechischen Teil zeigen zudem, dass Feuchtgebiete stark zurückgegangen sind – von 119 auf nur noch 56 Hektar. Zusammenbrechende Bestände hinterlassen heute abgestorbene Stämme, die den Wasserabfluss verlangsamen und die Feuchtigkeit in den Schluchten erhalten. Davon profitieren Moose, Farne und andere feuchtigkeitsliebende Pflanzen. Diese natürlichen Strukturen verdeutlichen die enge Verbindung zwischen Hydrologie, Waldstruktur und Klima in der Elbsandsteinlandschaft.

Wind

Wind wirkt im Wald wie ein natürlicher Architekt, der Öffnungen schafft und Vielfalt entstehen lässt. Schon immer haben starke Stürme Bäume geworfen und dadurch Lücken im Kronendach geschaffen, die neue Dynamik in den Wald brachten. In den letzten Jahrzehnten verursachten große Stürme – etwa Herwart (2017) und Friederike (2018) – umfangreiche Windwürfe und veränderten die Waldstruktur erheblich. Solche Ereignisse sind kein Einzelfall: Schwere Stürme gehören seit dem späten 20. Jahrhundert zu den häufigsten natürlichen Störungen in den Wäldern Mitteleuropas.

Umgestürzte Bäume bilden ein Mikrorelief, das junge Pflanzen vor Verbiss durch Rehe und vor Austrocknung schützt. Das zuvor stehende Totholz wird so zu einer horizontalen Schutzschicht für neues Leben. Wind spielt damit eine zentrale Rolle bei der Verjüngung der Wälder und beim Erhalt ihrer strukturellen Vielfalt in beiden Nationalparks.

Natürliche Verjüngung und Sukzession

Wo der Mensch sich zurückzieht, übernimmt die Natur die Initiative. In beiden Nationalparks gilt heute das Prinzip „Natur Natur sein lassen“. In den sächsischen Prozessschutzflächen erfolgt die Verjüngung ausschließlich durch natürliche Alterungs- und Zerfallsprozesse, während in Entwicklungszonen zeitweise Maßnahmen zur Förderung von Buche und Tanne durchgeführt werden. In der Böhmischen Schweiz haben sich Pionierbaumarten – Birke, Aspe, Eberesche und Kiefer – rasch auf Flächen ausgebreitet, die von Borkenkäfern und Feuer betroffen waren. Diese Bäume wachsen schnell, spenden Schatten und bereiten den Boden für anspruchsvollere Arten vor.

Die Verjüngung auf Brandflächen verläuft sogar kräftiger als auf Flächen, die nach Borkenkäferbefall künstlich geräumt wurden. Ein zentrales Problem in beiden Nationalparks bleibt jedoch die hohe Dichte an Schalenwild. Durch selektiven Verbiss verschwinden junge Laubbäume und Tannen, weshalb eine Regulierung der Wildbestände notwendig ist, wenn sich künftig ein vielfältiger und stabiler Wald entwickeln soll.

Die genaue Anzahl der Hirsche und Rehe in der Sächsischen und Böhmischen Schweiz ist derzeit noch nicht bekannt. Aktuelle Monitoringprogramme – darunter das Interreg-Projekt „Verbesserung der Effektivität des Rothirsch-Managements durch grenzübergreifende Ansätze (REDEMA)“ – untersuchen daher die Intensität des Verbisses und seine räumlichen Muster. Auch die Landschaft rund um die Nationalparks beeinflusst das Verhalten des Wildes: angrenzende Landwirtschafts- und Siedlungsflächen bieten zusätzliche Nahrungsquellen und prägen Wanderbewegungen und Bestandsdichten. Zudem könnten Veränderungen bei Raubtierpopulationen, etwa eine mögliche Rückkehr von Wölfen, langfristig dazu beitragen, den Druck des Wildes auf junge Bäume zu verringern.

Die Entwicklung der Böhmischen und Sächsischen Schweiz erzählt somit eine gemeinsame Geschichte: Wälder, die einst stark vom Menschen geprägt waren, verwandeln sich zunehmend wieder in dynamische, naturnahe Ökosysteme, in denen natürliche Prozesse über Wachstum, Veränderung und die Zukunft dieser Landschaft entscheiden.